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12.01.2015

PLASTIK STÖRT DEN GESAMTEN BIO-PROZESS

ZAKB registriert aktuell auffallend hohes Aufkommen von Kunststofftüten in Biotonnen aus dem Kreisgebiet // Folge sind eine eingeschränkte Gasgewinnung und Probleme beim Komposterzeugen // Auch abbaubare Plastiktüten sind an dieser Stelle ungeeignet


DEUTLICHES BILD: Im Biomüll, der in den braunen Tonnen im Kreis Bergstraße eingesammelt wird, finden sich derzeit auffallend viele Plastiktüten. Der ZAKB bekommt dadurch bei der Verwertung der Bioabfälle Probleme bei der Gewinnung von Gas und Kompost. Auch Kunststofftüten die als biologisch abbaubare verkauft werden bereiten an dieser Stelle Schwierigkeiten. Das Foto zeigt Abfälle wie sie in der Biogasanlage westlich von Heppenheim angeliefert werden.

„Der Kunststoff bereitet uns zunehmend Probleme.“ Die Ansage beim Zweckverband Abfallwirtschaft Kreis Bergstraße (ZAKB) ist deutlich. Im Blick haben die Fachleute des technischen Bereichs dabei nicht etwa die gelben Säcke, die der Verband im Auftrag des Dualen Systems Deutschland/Grüner Punkt einsammelt, sondern den Biomüll.
In der großen Halle der neuerrichteten Biogasanlage des ZAKB, westlich von Heppenheim, spricht das Bild eine deutliche Sprache: Dort wird der Bioabfall aus den braunen Tonnen des gesamten Kreisgebietes angefahren und zur Weiterverwertung abgeladen. Mehr und mehr kommen in den zurückliegenden Tagen und Wochen aus den großen Ladecontainern der Müllfahrzeuge Plastiktüten, in denen Bioabfall verschnürt und in die braune Tonne entsorgt wurde. Warum das Tütenaufkommen derzeit steigt, ist nicht erklärlich.
Die Bioabfälle in den Kunststofftüten können in der Anlage nicht verwertet werden. Das heißt, dass die Menge der Biogasgewinnung eingeschränkt ist. Zudem gibt es im Laufe der weiteren Nutzung der Abfälle Probleme beim Erzeugen von Kompost. Die aktuell auftretenden Schwierigkeiten sind zu vermeiden, wenn der Bioabfall in Papier eingewickelt wird. Papier, egal ob als Tüte oder Zeitung, kann in der Anlage problemlos mitverarbeitet werden. Nur so wird die Gasausbeute optimal und die Kompostproduktion problemlos. Vor diesem Hintergrund appelliert der ZAKB, organische Abfälle aus dem Haushalt entsprechend zu entsorgen.
„Selbst Kunststofftüten, die als biologisch abbaubar verkauft werden, bereiten in der Biogasanlage die gleichen Probleme wie herkömmliche Kunststofftüten. Und auch bei der Kompostgewinnung bleiben die Schwierigkeiten, da die abbaubaren Kunststoffe nicht schnell genug verrotten. „Die zusätzlichen Kosten, die durch solche Probleme entstehen, sind immens“, betont Peter Volk. Und er fügt an: „Mit Blick auf die Müllgebühren ist es natürlich unser Ziel, die Kosten so gering wie möglich zu halten und schon gar nicht unnötige Mehrkosten entstehen zu lassen. Hier aber sind wir auf die Unterstützung aus den Haushalten angewiesen, anders geht es nicht“.
In der Biogasanlage werden die Bioabfälle mit einem Radlader in riesige Fermenterboxen  gefahren, in denen Prozesswasser hinzugeführt wird. Dieses wäscht die organischen Stoffe aus. Das Wasser ist erwärmt, in Folge setzt ein Prozess ein, bei dem Bakterien Biogas entstehen lassen. In Plastik verpackte Bioabfälle können nicht ausgewaschen werden und führen demnach zu Schwierigkeiten im Verfahrensablauf.
Die Biogasanlage wurde im vergangenen Oktober in Betrieb genommen, der ZAKB hat damit eine weitere Verzahnung von Abfallwirtschaft und Energiewirtschaft unter seinem Dach verwirklicht. Zugleich zeigt der Verband, wie die Wende hin zu regional gewonnener regenerativer Energie funktionieren kann. In der Anlage in Heppenheim sollen jedes Jahr bis zu 32.000 Tonnen Bioabfälle vergoren werden. Läuft die Anlage optimal, kommt es also nicht zu Einschränkungen, wie aktuell durch übermäßiges Kunststoffaufkommen in den Bioabfällen, kann in einem Blockheizkraftwerk elektrische Energie für mehr als 1.100 Haushalte erzeugt werden. Der Strom fließt ins öffentliche Netz. Zudem entsteht Wärme, 5,7 Millionen Kilowattstunden. Diese wird für den Eigenbedarf der Anlage genutzt. Ist die Energiegewinnung abgeschlossen, werden die Abfälle in der Anlage kompostiert. Die entstehende Biomasse kann von Landwirten auf Felder aufgebracht werden.
 „Ökonomie und Ökologie sind somit durchgängig beisammen“, sagt Peter Volk. Mit Blick auf die aktuellen Schwierigkeiten durch die Kunststofftüten merkt er an: „Optimal funktionieren kann der gesamte Prozess aber nur, wenn Störanteile so gering wie möglich gehalten werden oder am besten gar nicht erst da sind.“