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22.10.2012

REPORTAGE ÜBER DEN ZAKB (TEIL 2) - LINKS DICHTES GRÜN, RECHTS AUTOS, DA WIRD ES ENG

Auf Tour mit der Müllabfuhr - 150 Kilometer, mehr als 500 Mülltonnen, tausende Blicke in den Rückspiegel und manches Hindernis, ein ganz normaler Tag


Einsammlungsfahrzeug des ZAKB

Axel Beyer klettert drei Metallsprossen nach oben, um an seinen Arbeitsplatz zu kommen. Der Sitz, auf dem er Platz nimmt, gibt im ersten Moment leicht nach, dann federt er noch ein wenig. Einen Moment später hämmert der Diesel. Das Geräusch begleitet Beyer durch den Tag. 320 PS treiben den schweren Lastwagen an, 15 Tonnen wiegt das Auto leer, elf Tonnen Abfall können geladen werden. Beyer und seine Kollegen sind im Wechsel im gesamten Kreis Bergstraße unterwegs. Restmüll, Biomüll, Papier und Sperrmüll, vieles ist einzusammeln. Insgesamt kommen im Kreisgebiet jährlich rd. 94.000 t Müll zusammen.

Seit 1998 sitzt Beyer für den ZAKB hinter dem Lenkrad. Im Durchschnitt fährt er 150 Kilometer am Tag. Früher war er  Hochseefischer. Das war zu Zeiten der DDR. Doch irgendwann hat der Lebensweg ihn nach Südhessen geführt. „Es ist jeden Tag die gleiche Arbeit, aber es sind täglich neue Situation“, sagt er über seinen Job. Und der macht ihm Spaß, auch wenn er nicht immer leicht ist. Im Winter zum Beispiel, wenn es auf den Straßen rutschig ist und er mit dem Lkw steile Gassen erklimmen muss. Oder wenn sich Schnee an den Straßenrändern türmt und sein Kollege hinten am Auto Probleme hat, die Mülltonnen durch aufgeschüttete Schneehügel zu bewegen.

Trotz Problemen mit Gelassenheit hinterm Steuer

Doch jetzt ist Sommer. Axel Beyer ist heute in Heppenheim unterwegs, Restmülltonnen werden geleert. Die Seitenscheiben des Lkw sind offen. Plötzlich rieseln Tannennadeln in die Kabine. Das wiederum ist ein typisches Problem dieser Jahreszeit: Ausladendes Grün, das aus Gärten auf Gehwege und Straßen wächst. Manchmal ist ein Durchkommen schwierig. Vor wenigen Tagen, erzählt Beyer, habe er sich die Rundumleuchte an seinem Lkw kaputt gefahren. Auf der einen Seite kam ein Auto entgegen, auf der anderen ragte ein massiver Ast in den Weg. Beyer hatte keine Chance, dem Gehölz auszuweichen. Es klirrte. All das müsste nicht sein, wenn Bäume und Büsche ordnungsgemäß geschnitten wären, resümiert der Fahrer. Aber oft ist es eben anders.

Über Probleme plaudert der 50-jährige mit der gleichen Gelassenheit, mit der er sein schweres Fahrzeug durch enge Kurven und schmale Gassen manövriert. Und das nicht selten über weite Strecken auch rückwärts. So wie eben: Rechts ein Straßenschild, links eine Baustelle. Vorwärts weiterkommen? Unmöglich! Rückwärtsgang rein. Die Tour für den Tag ist vorgegeben. Wie er sie abfährt kann er, wenn notwendig, in Teilen selbst festlegen. Und das vorausschauend. Das heißt auch: Hauptstraßen meidet er wenn möglich in der Hauptverkehrszeit. Anders würde er sich und anderen Autofahrern das Leben unnötig schwer machen. Manchmal, räumt er aber ein, lasse sich ein Stau hinter dem Müllauto nicht vermeiden. Er schaut auf die Uhr. Jetzt, zur Mittagszeit, sei es auf der B 3 ruhiger. Also geht es dorthin. Anhalten, Mülltonne entleeren, weiterfahren, anhalten, Mülltonne entleeren, weiterfahren, der Rhythmus ist immer der gleiche.

Beyers Blicke springen zwischen den großen Außenspiegeln hin und her. Er erzählt, dass er täglich tausende Mal in die Spiegel guckt: Beim Abbiegen, beim Rangieren. Aber auch bei den Mülltonnen, die geleert werden. Da nämlich muss er seinen Lader im Auge haben. Außer den Spiegeln hilft ihm eine Videokamera. Der Monitor ist auf dem Armaturenbrett montiert. Beyer sieht jeden Handgriff seines Kollegen, er weiß wann er weiterfahren oder helfen muss. Bei den Eins-Einsern springt er aus der Fahrerkabine. Eins-Einser, erklärt er, sind Abfallcontainer mit einem Volumen von 1,1 Kubikmeter. Die neuen Kunststoffbehälter sind handlich. Doch manchmal stehen am Straßenrand noch die alten aus Metall, und die kann ein Lader nicht alleine ans Auto hängen.

Blaulicht von vorne, da muss alles schnell gehen

Heute ist Waldi der Lader. Ein Kollege, mit dem Beyer oft und gerne zusammenarbeitet. Die beiden sind ein eingespieltes Team. Wenn die Wege schmal oder zugeparkt sind, dirigiert Waldi den Fahrer mit Handzeichen. Plötzlich ein Martinshorn. Es scheint als solle gezeigt werden, was alles während einer ganz normalen Tour vorkommen kann. Die Straße ist eng. Links und rechts stehen Autos. Hinter dem Müllfahrzeug schiebt sich ein Linienbus vorwärts. Der Rettungswagen kommt von vorne. Dessen Fahrerin und Beyer verständigen sich mit Blicken und Handzeichen. Müllabfuhr und Bus passieren die Engstelle, die Sanitäter haben freie Fahrt. Auch für die Männer vom ZAKB geht die Fahrt weiter.

Ebenso wie die Straße hat Axel Beyer Gehwege und Mülltonnen im Blick. Sind die Tonnen zu voll, türmt sich der Müll bei halb offenem Deckel zu weit nach oben? Was zuviel ist, ist zuviel und wird gegebenenfalls nicht mitgenommen. Ein Vordruck mit Erklärung wird stattdessen auf die Tonne geklebt. Ebenso wenn der Müll nicht ordnungsgemäß getrennt oder in die falsche Tonne sortiert ist. Und hin und wieder macht der Barcode Probleme, mit dem ein Behälter zur Abrechnung erfasst wird. Falsch aufgeklebt, beschädigt, von der Sonne ausgebleicht – vieles kommt vor. Wenn dann der automatische Scanner versagt, gibt es eine Scannerpistole zum Einlesen. Beyer kontrolliert auf einem Display im Führerhaus, ob alles klappt. Und wenn nicht? Dann darf der Lader die Tonne nicht leeren. Der Fahrer greift zum Mobiltelefon, er verständigt den Außendienst. Der wird sich beim Besitzer des Behälters melden.

In Summe 500 bis 600 Mülltonnen werden bei jeder Tour geleert, manchmal sind es bis zu 800. Der Fahrer hat dabei ständig den Autoverkehr, Passanten und natürlich die Mülltonnen im Blick. „Ich bin im Prinzip den ganzen Tag unter Hochspannung“, gesteht Axel Beyer. Wer einmal mit ihm oder einem seine Kollegen unterwegs war, versteht dies.

ZUSATZ

Der Zweckverband Abfallwirtschaft Kreis Bergstraße (ZAKB) sammelt in den 16 Städten und Gemeinden die Mitglied im Verband sind Rest- und Wertstoffe ein. Mit fünf weiteren Städten und Gemeinden gibt es zudem Verträge zur Einsammlung.