Login

Benutzeranmeldung

Geben Sie Ihre Benutzer-ID und Ihr Passwort ein, um sich anzumelden:
Anmelden
Ihre Benutzer-ID sind die ersten sechs Stellen Ihrer Objektnummer. Diese finden Sie auf jedem Gebührenbescheid.
Kontakt

News

01.11.2012

REPORTAGE ÜBER DEN ZAKB (TEIL 3) - ENERGIE VON DER EINSTIGEN DEPONIE

Beim ZAKB hat die Zukunft begonnen: Wo früher Müll abgeladen wurde sprießt heute sattes Grün und wächst ein Energiepark.


Energiepark Hüttenfeld

Rund fünfzig Meter erhebt sich der Hügel nahe dem Lampertheimer Stadtteil Hüttenfeld aus der Ebene des südhessischen Rieds. Früher wurde hier Müll abgeladen, Kreismülldeponie stand auf den Wegweisern. Das ist Vergangenheit. Abfälle werden dort seit Jahren nicht mehr hingebracht. Dafür hat die Natur mit einer reichhaltigen Pflanzen- und Tierwelt Einzug gehalten. Renaturierung heißt das Stichwort. Und regelmäßig weidet eine Schafherde das üppige Grün auf dem markanten Hügel ab. Das ist ökonomisch und ökologisch sinnvoll. Genauso wie der Wandel der einstigen Deponie zum Energiepark.

Ein Besuch vor Ort. Auch an diesem Tag ziehen die Schafe über die erdbeladenen und bewachsenen Hänge des Hügels. Erstaunlich schnell fressen sie sich durchs Grün, kommentiert Sascha Bocksnick bei einem Rundgang und schmunzelt als sein Blick auf die tierischen Rasenmäher fällt. Beim Zweckverband Abfallwirtschaft, der auf dem Gelände sein Verwaltungs- und einige Betriebsgebäude hat, ist er für den Energiebereich verantwortlich. Aber passt das überhaupt zusammen, Abfallwirtschaft und Energiewirtschaft? Ja. Schließlich gibt es etliche Berührungspunkte. Die zu Verknüpfen, hat sich der ZAKB zur Aufgabe gemacht.

 â€žWir sind nicht die Ersten aber mit vorne dran“, sagt Sascha Bocksnick über den Bergsträßer Zweckverband, als es um die Entwicklung des Energiesektors in der Abfallbranche geht. Der Diplom-Wirtschaftsingenieur fügt an: „Wir haben sehr, sehr viel Potenzial.“ Womit er Ressourcen einschließlich Flächen für die Infrastruktur zur Erzeugung regenerativer Energien meint. Während andernorts noch über die Machbarkeit der Energiewende gestritten wird, zeigt der Zweckverband, wie sie lokal funktionieren kann. Mit Deponiegas und Sonneneinstrahlung werden schon heute Wärme und Strom erzeugt, Biomasse kommt hinzu. Und in naher Zukunft könnte sich auch eine Windkraftanlage auf dem einstigen Deponiehügel nach oben recken. Die Weichen hierzu hat die Verbandsversammlung gerade gestellt.

Energie, die vor Ort gewonnen wird, nutzt der ZAKB selbst: Wärme für das Verwaltungsgebäude, Wärme für die Trocknung von Holzhackschnitzeln, die in Heizanlagen verbrannt werden, neuerdings auch in einer vom Verband am Kreiskrankenhaus in Heppenheim betriebenen Anlage. Strom fließt ins Netz. Der ZAKB setzt auf einen gesunden Energiemix. Der Himmel ist strahlend blau als Sascha Bocksnick mit dem Besucher unterwegs ist, Spätsommer und Herbst fließen an diesem Tag prächtig ineinander. Ein Wetter zum Wohlfühlen. Und ein Wetter, das voller Energie steckt. Sonne pur. Kontinuierlich steigt der Weg an, der zur Fotovoltaikanlage führt. Links stehen einige Esel auf einem eingezäunten Areal, nebenan Ziegen, die vorbeilaufenden Menschen scheinen sie zu ignorieren. Die Tiere gehören der Schäferin, erzählt Bocksnick. Hinter eine Kurve breitet sich die Fotovoltaikanlage aus. Der ZAKB hat sie in diesem Sommer in Betrieb genommen. Auf der Süd- und Südwestseite des renaturierten Deponiehügels erstrecken sie sich großflächig, 8.400 Module sind montiert. Die Ausmaße beeindrucken. Aber auch an anderer Stelle ist auf dem Areal Platz für Fotovoltaik: Auf dem Dach einer großen Halle in der Holzhackschnitzel lagern und auf dem Dach des Schafstalls, dessen Silhouette sich im Hintergrund abzeichnet. Eine weitere Zahl, die für die Dimension der Technik steht.

Eine andere Perspektive: Am Fuß des Deponiehügels stehen mehrere Container. Deponiegas wird dort über einen Motor in Strom und Wärme umgewandelt. „Das Gas wurde bis zum Jahr 2001 über eine Gasfackel verbrannt“, erzählt Sascha Bocksnick, „Dann hat man erkannt, dass man hier Energiepotenzial hat.“ Das heißt: Strom für 625 Haushalte und Wärme - unter anderem - für die Verwaltungsgebäude des ZAKB. Doch die Wärme wird auch an anderer Stelle genutzt. Bocksnick zeigt auf die Container neben dem Technikcontainer, dazwischen horizontale Schächte. Außen glänzen die Metallwände in der Sonne, im Inneren strömt Abwärme aus der Technikbox in die benachbarten Container, trocknet dort Holzhackschnitzel und erhöht so deren Heizwert. Die Lösung scheint im Zusammenspiel der Nutzungen perfekt und trägt zu einer jährlichen CO2-Einsparung von mehr als 1.400 Tonnen bei.

Auch an anderen Stellen setzt der ZAKB auf die Erzeugung regenerativer Energien: Schon im Jahr 2010 hat der Verband auf den Dächern der Gebäude seines Abfallwirtschaftszentrums (AWZ) in Heppenheim eine große Fotovoltaikanlage in Betrieb genommen. 480.000 Kilowattstunden Strom werden dort jedes Jahr erzeugt, die CO2-Einsparung beträgt 271,2 Tonnen. Aktuell ist außerdem geplant, am gleichen Standort eine Biogasanlage zu bauen: 32.000 Tonnen Bioabfälle aus dem Kreis Bergstraße sollen dort zur Strom- und Wärmegewinnung genutzt werden. 

Mehr und mehr forciert der Zweckverband zudem das Verbrennen von Biomasse in Heizanlagen.  Grünabfälle überwiegend aus privaten Gärten werden hierzu vom Verband zu Holzhackschnitzeln verarbeitet. Abhängig von der Größe der Heizanlage muss es verfeinert werden. Dazu hat der ZAKB den Landesbetrieb Hessen-Forst im Boot. Von dort kommen zusätzlich Holzhackschnitzel, die bei Pflegearbeiten in Wäldern der Region anfallen. In Summe verarbeitet der Zweckverband in dieser Kombination bislang 7.200 Tonnen Holzhackschnitzel. In Zukunft könnten es noch mehr werden.

Gerade hat der ZAKB am Kreiskrankenhaus in Heppenheim eine Holzhackschnitzelheizanlage in Betrieb genommen. Hoch modern ist diese, sie versorgt das Kreiskrankenhaus und die benachbarte Vitos-Klinik mit Wärme. Auch ist ein Nahwärmenetz für eine Schule und für Wohnungen angeschlossen. Das ganze hat Modellcharakter: Ähnliches könnte an anderen kommunalen Einrichtungen betrieben werden. Allerdings betont Sascha Bocksnick beim ZAKB: „Wir wollen keinen privaten Unternehmen  Konkurrenz machen.“

Fotovoltaikanlagen auf dem Betriebsgelände bei Hüttenfeld und den Dächern des Abfallwirtschaftszentrums in Heppenheim, Deponiegasverwertung in Hüttenfeld, Holzhackschnitzelheizanlage und künftig Biogasanlage in Heppenheim: An vielen Stellen produziert der ZAKB schon heute und in Zukunft noch verstärk Energie. Mit den laufenden Projekten und der projektierten Biogasanlage werden jedes Jahr in Summe 9.815.800 Kilowattstunden Strom und 15.960.000 Kilowattstunden Wärme erzeugt. Das entspricht dem Strombedarf von 2.454 Haushalten sowie dem Wärmebedarf von 721 Haushalten.